Warum antiquare EDV-Literatur wichtig ist
22. Juni 2008 – 09:05 | von Matthias
„Sag mal, warum schreibst Du über so altes Zeugs? Das interessiert doch kein Schwein mehr“. Mit dem alten Zeugs mein doch sehr junger und wohl unerfahrener Chat Partner ältere EDV-Literatur, die ich immer mal wieder kurz auf meinem Bücher Blog bespreche. Wen er konkret mit Schwein gemeint hat kann ich nicht sagen, aber ich möchte ein bißchen ausführlicher darauf antworten, wohl weil sich diese Frage doch noch einige stellen.
Ich versteige mich in der Behauptung, dass kein Industriezweig einer stärkeren Evolution ausgesetzt ist als die IT-Branche. Das mag daran liegen, dass hier nur mit immateriellen Gütern gehandelt wird. Warum also Bücher kaufen, wenn doch alles im Netz zu finden ist – irgendwie. Genau, das „irgendwie“ stört, denn verlässlicher ist einfach das gedruckte Medium, da es einen größeren Aufwand verursacht als Online-Publikationen und Fehler nach der Produktion nicht mehr zu beseitigen sind. Folgerichtig (/Normalerweise) wird aus diesem Grund in die Qualitätskontrolle sehr viel investiert. Es gibt noch viele Gründe die für Bücher stehen und das muss es auch, denn noch nie wurden so viele IT-Fachbücher verkauft. Was generell dagegen Bücher spricht: Die Informationen veralten irgendwann. Dieser scheinbare Nachteil ist oftmals jedoch goldwert. Warum?
Welche Unternehmens-IT ist immer auf dem aktuellen Stand? Je größer das Unternehmen, je höher die Investitionen um so höher die Wahrscheinlichkeit, dass „antiquare“ Technologie ihren Dienst verrichtet und das in den überwiegenden Fällen recht zufrieden stellend. An jedem laufenden System sind jedoch Wartungsarbeiten notwendig bzw. werden von Zeit zu Zeit Anpassungen fällig. Kannte denn die Version 2.3 des Programms XY denn überhaupt diese Features? Wie war das gleich unter SunOS, VMS, IRIX 3.01 … ? Der meiste noch eingesetzte Code im betriebswirtschaftlichen Umfeld dürfte immer noch in COBOL geschrieben sein, in den Naturwissenschaften wohl in Fortran. Natürlich gibt es dazu Informationen im Netz, die sind aber in Vergleich zum gedruckten Wissen dürftig. Die Antwort auf die Frage nach Warum liegt einfach in der Zeit begründet. So richtig populär war das WWW selbst vor 10 Jahren noch nicht und der erste Web-Browser, der Bilder in HTML-Dokumenten darstellen konnte, ist 15 Jahre alt. Das vergisst man gerne. Was bleibt ist der Rückgriff auf bedrucktes Papier, wenn man weiss wo das gesuchte geschrieben steht. Genau deswegen pflege ich auf meinem Blog auf antiquare IT-Literatur ein.

1 Kommentar zu “Warum antiquare EDV-Literatur wichtig ist”
archivar schrieb am 23. Jun 2008 | Reply
Das Problem, dass viel Wiseen mit der Zeit verloren geht, nimmt erschreckende Ausmaße an. Auch deshalb sind solche Arbeiten ganz wichtig.