Rein subjektive Ansichten über das digitale Business

Speak German!

29. Januar 2008 – 11:06 | von Matthias

Rund 60 Prozent der Deutschen können gar nicht Englisch, 40 Prozent bringen es meist über ein gestammeltes Schul-, Disco- und Touristenenglisch nicht hinaus. Vielleicht 10 Prozent können sich passabel in dieser Sprache verständigen. “Powered by Emotion” war bis vor gar nicht so langer Zeit der Werbespruch von Sat1, der von der überwiegenden Mehrheit der Deutschen falsch verstanden wurde(Quelle: Speak German von Wolf Schneider). Powered by Emotion? Kraft durch Freude … vielleicht? Mich würde persönlich interessieren, was die Deutschen unter Blockbuster verstehen. Kann bitte ProSieben dazu bitte eine Umfrage starten?

Wenn man verstanden werden will, sollte man sich verständlich ausdrücken. Wer sehr oft und unnötig englische Fachbegriffe verwendet, der möchte damit oft etwas verschleiern. Die eigene Inkompetenz vielleicht oder die wahren Absichten. Sharholder Value hört sich sicherlich geschmeidiger an als knallhart von Aktionärsnutzen zu reden. Vielleicht erkennen dann die Angestellten nicht sofort, dass sie bestenfalls als Human Capital gelten und ganz leicht zum Emotional Baggage werden können.

Ironie oder blanker Hohn: Der unnötige Import von Wörtern aus dem Englischen reicht uns Deutschen nicht. Wir erfinden sogar Anglizismen, die kein Engländer verstehen würde. Showmaster, Dressman oder Twen kommen nicht in Webster’s Dictionary vor. Besonders phantasievoll war die Bahn, als es den Begriff Service Point eingeführt hat. Die Wortneuschöpfung soll sicherlich Modernität signalisieren, ein schlichtes “Information” wäre hingegen nicht nur für internationale Gäste aussagekräftig gewesen.

Als Berater in einer erklärungsbedürftigen Branche habe ich gelernt, mit Kunden möglichst Deutsch zu reden um Mißverständnissen vorzubeugen. Das fängt bei im Grunde ganz einfachen Begriffen wie “Homepage” an. Der überwiegende Teil der Bevölkerung versteht darunter nicht die Startseite, sondern den gesamten Internetauftritt (Da habe ich mir eine Homepage erstellen lassen …). Über schlecht übersetzte Bedienungsanleitungen ärgert man sich (oder macht sich lustig), aber ihren Kunden verkaufen Consultants ihr Kauderwelsch gerne als Fachkompetenz. Ob das eine Basis für dauerhaften Erfolg ist?

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