Rein subjektive Ansichten über das digitale Business

Mindset … which mindset?

15. Mai 2007 – 17:50 | von Matthias

garten.jpgMind Set, zu deutsch “geistige Haltung” oder “Denkweise” lautet der Titel des neuen Buches von Megtrends-Autor John Naisbitt, der irgendwie immer noch von Erfolg seines einzigen Bestsellers zehrt. Mit der Übersetzung “Denkweise” wird man im ersten Teil des Buches bedient. Naisbitt gibt Einblicke in seine ganz persönliche Denkweise - oder sollte man besser sagen Arbeitsweise? Auf beinahe 140 Seiten versucht Naisbitt dem Leser in die Zukunftsforschung einzuführen, ohne wirklich etwas neues zu erzählen. Beinahe schon mitleidig muss ich mit der Aussage umgehen, dass Zeitungen für die Zukunftsforschung viel wichtiger sind als beispielsweise Blogs, da Zeitungen schon das unwichtige ausfiltern. Von entsprechenden Online-Tools, beispielsweise technorati.com oder icerocket.com hat er anscheinend nichts gehört. Entsprechend angesäuert habe ich mich über den Teil 2 seines Werkes hergemacht. Hier würde ich die Variante “geistige Haltung” bevorzugen. Vor allem das Kapitel über Europa ist durchwebt von “seiner” Geisteshaltung, die mehr einem Kapitalisten des 19. Jahrhunderts nahe kommt als einem wirtschaftsliberalen US-Republikaner. Er hätte mehr auf Al Smith hören sollen, den er so gerne zitiert: “Eilen Sie einer parade nicht so weit vorraus, dass die Menschen nicht mehr erkennen, dass Sie dazugehören.” Europa und vor allem Deutschland steht im internationalen Vergleich inzwischen besser da, als die USA. Die unverdächtige Wirtschaftswoche hat in der aktuellen Ausgabe Deutschland gar zum Globalisierungsgewinner Nummer eins ernannt. Die Realität ist weit entfernt vom “Erlebnispark für reiche Amerikaner und Asiaten”, die Naisbitt prognostiziert. Ein Unterkapitel aus dem ersten Teil des Buches lautet “Behalten Sie den Spielstand im Auge”. Genau Herr Naisbitt. Den Magen hat es mit beim Kapitel über China umgedreht. Eindeutiger kann man seine Gesinnung kaum zum Ausdruck bringen: “Die Spitzentruppe der urbanen Renaissance Chinas maschiert auch durch die alte Industriestadt harbin im Nordosten Chinas. Harbin gelangte 2005 in die Schlagzeilen, als die Explosion einer Chemiefabrik 300 Kilometer stromaufwärts die Wasserversorgung der Stadt kontaminierte. Das ergeizige urbane Projekt Chinas wurde davon jedoch kaum gebremst. Harbin baut ein neues Stadtzentrum für neun Millionen Menschen …” Kein Bedauern für die Bewohner, die entschädigungslos aus ihren kleinen Häusern vertrieben wurden, kein Wort über die rechtlosen Wanderarbeiter, die das neue Stadtzentrum bauen, kein Wort über die dreckigsten / ungesündesten Städte der Welt, die allesamt in China liegen, kein Wort über Menschenrechte, Industriespionage … Von Unwissenheit darf man nicht sprechen, Naisbitt kennt die Problematiken. Doch warum stellt er wissentlich eine falsche Prognose, zeichnet ein so falsches Bild? Ich habe das Buch dann verärgert weggelegt.

Was das Bild mit dem Beitrag zu tun hat? Ich wollte wenigstens einen positiven Aspekt einbringen. Es zeigt meinen Blick vom Liegestuhl aus, als ich mich am Sonntag durch das Buch quälte.

  1. 1 Kommentar zu “Mindset … which mindset?”

  2. TomTom schrieb am 28. Jan 2008 | Reply

    Die ganze Zukunftsforschung ist doch nichts anderes als kaffesatzleserei. Wenn es nach den Zukunfts-”Forschern” aus den 1960igern gegangen wäre, dann würden wir jetzt alle mit hubschauberähnlichen Vehikeln durch die Luft sausen und zum Kaffetrinken den Mond besuchen. Geldschneiderei ist das. Meine persönliche Meinung.

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